Segelsommer:
2008
2009
2010
2011
|
Meine homepage
|
12. April 2008
|
Diese homepage soll während meines Segeltörns eine Art Logbuch für meine Freunde sein. Über Besuche in Internet Cafes
oder über WLAN und Laptop möchte ich das Logbuch aktuell gestalten.
Zu erreichen bin ich über meine mail-Adresse atzeyacht@web.de
Die Bilder kann man durch Anklicken vergrößern!
|
|
|
Ende Mai...
|
16. April
|
|
...werde ich auf Fehmarn sein und mit den Arbeiten am Rumpf beginnen. Das Unterwasserschiff wird
geschliffen und mit Hartantifouling gestrichen, das Überwasserschiff wird gewachst und poliert.
Danach rollt die ATZE aus dem Schuppen und es wird gekrant!
Der Mast wird gestellt und die Segel werden angeschlagen. Für den Motor und die Gasanlage hole ich mir
Fachleute an Bord.
|
|
|
Segelsommer-Planung
|
26. April
|
|
Die Möwe wartet schon! Aber wo? Ich staune selbst - eine feste Törnplanung habe ich nicht! Oslo reizt
mich, dafür wird mir Claus die Seekarten leihen, aber auch Danzig wär interessant, da habe ich
ausfühliche Literatur. Litauen stelle ich erst einmal zurück. Aber vielleicht wird es auch "Seeland rund"
mit einem gemächlichen Erforschen des Roskilde Fjords - die Spuren der Wikinger suchen. Auch darüber
habe ich Literatur. Noch zum Zurückstellen: Freundin Helga aus Flensburg meint, stell nichts zurück - die
Zeit läuft...
Auf jeden Fall will ich aber die Flensburger Förde, Marstal und Ärösköbing, Wismar und Travemünde,
Hörphav und, und... anlaufen. Ach, Hauptsache ich bin mit meiner AZTE unterwegs!
|
|
|
Es breitet sich Unruhe aus...
|
Sonntag, den 17. Mai
|
|
Jetzt liegt der Starttermin fest: Donnerstag, den 22. Mai. Ich werde nach Kiel zu Rebecca und Hans fahren
und bei ihnen übernachten. Am Freitag ist ein Treffen mit Bjorg und Peter geplant, die mit der Fähre aus Oslo kommen.
Peter ist ein Kinderfreund. unser Eltern waren eng befreundet, den es nach Norwegen verschlagen hat, und der auf
dem Weg in seine alte Heimat ist. Na ja,ich werde auf meinem Törn sicher noch einige Freunde treffen, vielleicht
auch Käpten Eichenholz.
|
|
|
Marstal auf Ärö
|
Sonntag, den 18. Mai
|
|
Und natürlich werde ich auch in Marstal anbinden! Hoffentlich finde ich dort ein Internet-Cafe. Von Marstal kann man
wunderschöne Radtouren unternehmen. Zum Beispiel nach Norden auf der langen,Halbinsel, die fast bis auf die Höhe
von Ärösköbing verläuft. Oder nach Westen, dort kann man von der Steilküste dann nach Alsen gucken. In Marstal selbst
werde ich das Seefahrts-Museum besuchen. Oder ich mache eine Busfahrt über die ganze Insel Ärö bis nach Söby.Das
ist gar nicht teuer - als Senior bezahlt man in Dänemark nur den halben Fahrpreis. Gar nicht weit weg von Marstal,
hinter der Halbinsel gibt es einen weiteren Hafen auf Ärö. Allerdings ist die Zufahrt unbetonnt und die Bucht ist
stellenweise sehr flach. Aber vielleicht versuche ich es in diesem Jahe einmal - es reizt mich schon lange.
|
|
|
Saisonstart
|
Montag, den 26. Mai
|
Und dann lief alles ganz unspektakulär ab: Um 12.35 Uhr berührte der Kiel das
Wasser - kurz darauf schwamm die ATZE, die Krangurte wurden entfernt.
Der Motor gab sich erst etwas unwillig, aber nach einigen eindringlichen
Ermahnungen entschloß er sich zur Mitarbeit. Wir machten dann mit seinem
Einverständnis einen kleinen Törn bis in den Sund.
Jetzt ging es ans Einräumen. In den nächsten Tagen wurden dann nach
und nach alle Funktionen aktiviert: Bordtoilette, Kocher und auch die
Wasserpumpe für das Abwaschbecken. Und das war gut so, konnte ich doch
unter dem Wasserstrahl den Topflappen löschen, der an der Gasflamme Feuer
gefangen hatte.
Am späten Abend ging ich nochmals in die Bootshalle, um meinen
Arbeitsplatz aufzuräumen. Da winkte John von der EMMA mit der Sherry-Flasche
und rief:"Come on!" Nina und John sind Engländer und waren gestern aus Norfolk
angereist (1100 km). In einem englischen Segler-Auto herrscht das gleiche Chaos
wie in eienem deutschen Segler-Auto hatten wir gestern festgestellt. Heute
saßen wir in der Plicht der EMMA, palaverten auf eine Art englisch und tranken Sherry.
|
|
|
Endlich los!
|
Mittwoch, den 4. Juni
|
Am Montag segelte ich bei leichtem ONO um 3 bft von Burg-Staaken auf Fehmarn nach Heiligenhafen. Ich hatte nur die Genua ausgerollt, ganz gemächlich bummelte ich die 10 nm ab – so zum Aufwärmen. Diesmal machte ich nicht in der riesigen Marina fest, sondern band beim hiesigen Segelclub an. Am Dienstag war ich mit der ATZE in der Ratjen Werft, eine Motorwartung war fällig: Dieselfilter, Impella und Keilriemen wurden ersetzt. Auf der Rückfahrt meinte ich zu spüren, dass dem JANMAR die Kur gut bekommen sei – er lief runder.
Im Laufe des Tages legte der Wind kräftig zu, 6…7 bft wurden gemessen. Und auch für heute und morgen ist Starkwind angesagt – der Sprung nach Dänemark, nach Bagenkop auf Langeland muß wohl warten.
|
|
|
Endlich weht der Danebrog!
|
Mittwoch, den 11. Juni
|
Nach Starkwindtagen war für Freitag, den 6. Juni ONO um 4 angesagt – also los aus Heiligenhafen!
Beim Runden der Lateraltonne „Heiligenhafen-Ost“ hatte ich eine Grundberührung! Der Graswarder, die Halbinsel vor Heiligenhafen, verlagert sich immer weiter nach Ost, lagert Sand Richtung Fahrrinne ab – man sieht es am heller werdenden Grund. Mein Echolot zeigte erst 7 m, dann 4,5 m, dann …
Ab Sund genoss ich einen herrlichen Törn bis Bagenkop (32 nm) auf der dänischen Insel Langeland. Zwar gab es Schwachwind-Abschnitte, aber überwiegend HGS (Hochgenuss-Segeln)! Strahlender Sonnenschein – von solchen Törns träume ich von Oktober bis in den Mai.
Von Bagenkop radelte ich auf einem hafeneigenen Leihrad wie jedes Jahr nach Ristinge, von dort nach Humble. Hier gab es wie in jedem Jahr ein Eis. Nach zwei Hafennächten ankerte ich eine Nacht in der Bucht neben dem Hafen. Der Wind drehte nach Nord-West und brachte unangenehmen Schwell. Gegen den Nord-West kreuzte ich dann zur Fahrrinne nach Marstal. Mit dem letzten langen Schlag stand ich direkt an der weiß-roten Ansteuerungstonne – nach 20 Minuten war ich fest in der Box.
Meine Begeisterung erhielt einen Dämpfer, als ich vom Stadtgang zurück kam: Vom Steg sah ich eine schräg stehende st-Relingstütze. An Bord stellte ich dann fest, dass der Fuß der Relingstütze ausgebrochen ist! Eine dänischen Seglerin berichtete von einem weißen Segelboot mit jungen Leuten, die dort wohl festmachen wollten, aber dann wieder zur Hafenausfahrt motort sind. Für mich ärgerlich …
Das Wetter verschlechterte sich und hält mich in Marstal fest.
|
|
|
Immer wieder Wind aus West, oft Starkwind
|
Mo, 23. Juni - Sonnenwende
|
Nach wochenlangem Wind aus Ost stellte sich eine anhaltende, starkwindige Westwindlage ein. Das bedeutet Hafentage und die Aufgabe meines Planes, im Lille Belt bis Arhus zu segeln. Tagelang hielt mich der Starkwind Marstal fest. Da war es dann Zeit, meinen ausgebrochenen Relingfuß zu reparieren. Mein Nachbar von der LYSHOLM verfolgte meine Bemühungen, kam an Bord, brachte Ideen und Fertigkeiten mit. Am Ende waren wir zufrieden, nannten uns Rolf und Jürgen.
Nach den Starkwindtagen begann der 17. Juni mit Sonnenschein und moderatem NW – auf nach Rudkøbing! Es war HGS! Hinter mir lief die ganze Zeit eine Moody 35, machte in Rudkøbing neben der ATZE fest. Der Eigner mault: Ich sei nur mit dem Vorsegel unterwegs gewesen, aber er habe mich trotz Groß- und Vorsegel nicht einholen können. Ich: “Na ja, die ATZE ist eben ein Cuper.“
Am nächsten Tag mit achterlichem Wind in die Trønsebugt, hier wollte ich an einer der ausliegenden Tonnen festmachen. Die Bucht voller holländischer Yachten, die Tonnen belegt. Ich ankerte. Es pustete hart, mein Anker hielt nicht, die ATZE trieb auf eine 15m-Yacht aus Lemmer zu – große Aufregung bei den Holländern! Ich holte meinen Anker ein und machte an einer Tonne fest, obwohl “Privat“ draufstand. Es war eine ruhige Nacht.
Durch den Svendborg Sund trieb mich der harte Gegenwind in den Hafen von Rantzausminde, ein Hafen mit vielen Sportbooten, kaum Menschen, ein Bootsparkplatz. Und der Wetterbericht sagte für die nächsten fünf, sechsTage weiter harten Wind um West voraus. Trostlos! Gestern musste ich in der Früh gegen 4.30 an Deck – und staunte: Moderater SO! Es war ohne zu überlegen da: Auf nach Æøskøbing!!! Um fünf tuckerte ich aus dem Hafen, setzte Groß und Genua, war gut unterwegs. Der Wind legte zu, drehte wieder auf West, es wurde hart, ich rollte die Genua ein und mit Motorunterstützung war um 7.30 Uhr fest im Handelshafen. Im märchenhaften Ærøskøbing kann man Sturmtage gut überstehen – heut sind Böen bis 9 bft angesagt!
|
|
|
Neue Häfen, neue Erlebnisse
|
Aabenraa, den 4. Juli 2008
|
Nach Tagen in Ärösköbing endlich mal Leichtwind – und dann noch aus der richtigen Richtung - und die Sonne scheint! Ich genieße den Törn nach Faaborg. Und ich genieße Faaborg, seine engen Gassen mit den kleinen, von Stockrosen eingerahmten Häusern, seine malerischen Höfe.
Am Steg helfe ich einem dänischen Ehepaar mit Motorsegler beim Anlegen. Der Skipper lädt mich zum Naps ein - und dann noch einen: “Wegen Balance!“
Morgens, Freitag, den 28. Juni – ein Schock: Beim Toilettengang – ich traue meinen Augen nicht – FISCHER ist weg, geklaut!!! Bin deprimiert, ohne Fahrrad fehlt mir viel! Latsche mit hängendem Kopf im Regen zum Bäcker. Auf dem Rückweg, ich weiß nicht warum, mache ich einen Umweg, laufe durch den “Voigtske Gaard“. Und was liegt da zwischen Unkraut und Stockrosen? Richtig, kaum zu fassen, leicht lädiert mein FISCHER!!! Hätte ich den Umweg nun nicht gemacht …
Abends beim Stadtgang treffe ich ein kleines, trauriges Mädchen. Ob ich ihr Täschlein mit Geld und Schlüssel gefunden habe, fragt sie mich auf dänisch und dann auf englisch – ich konnte nur verneinen und mit ihr traurig sein – möge sie so viel Glück wie ich haben.
Der ewige West macht eine Pause, ich segele nach Söby, bin wieder mal auf Ärö. Endlich dreht der Wind von W auf SO – auf nach Alsen, nach Fynshav. Beim Anlegen bei viel Seitenwind verhakt sich die Achterleine an der Winschenkurbel und reißt sie ins Wasser! Ich Hemd und Hose aus – rein in den Bach. Leider ohne Erfolg, im Mud ist die schwarze Kurbel nicht auszumachen. Die Skipperin vom Nachbarboot: “Das war umsonst!“ Ich, ganz cool: “Nicht ganz, die Unterhose sollt ohnehin gewechselt werden!“
Der Wind hatte sich auf SO eingeweht. Da machte ich einen tollen Törn nach Aabenraa – fast 30 nm in knapp 5 Stunden, nur mit der Genua - immer um 6 knts – HGS - da kommt Freude auf! Und auch die Sonne lachte.
|
|
|
Tolle Segeltage mit Tochter Frauke
|
Fehmarn, den 25. Juli 2008
|
Genossene Tage im reizvollen Aabenraa, dann durch den Alsensund, eine Ankernacht in der Kegnäsbugt und ein paar Tage im geliebten Höruphav. Aber ich will ja nach Flensburg – da wird Frauke einsteigen. Also gegen den steten Südwest aufkreuzen! Lange Schläge über die Geltinger Breite. lange Schläge in die Flensburger Förde, um die Halbinsel Holnis. In der Innenförde wird es hart – ich bin sechs Stunden unterwegs und angeknabbert, der Wind legt zu, eine kurze, ruppige Welle lässt die ATZE nicht laufen. Ich gebe auf, binde in der Marina Minde an. Nicht einfach bei Starkwind – in dem menschenleeren Hafen gibt es keinen Helfer! Morgens vor fünf bei Nullwind binde ich ab, frühstücke im Flensburger Stadthafen.
Ich kann es nicht glauben: Es ist 50 (!) Jahre her, dass ich in der Fördestadt die Funkerschule besuchte und im FTB Hockey spielte! Mit Ortrud, Harro und Wolfgang treffe ich mich – Freunde aus dieser Zeit!
Frauke schlägt auf und nach einem Eingewöhnungstag segeln wir nach Höruphav – segeln bei leichten Winden, nicht zu vergleichen mit der mühevollen Kreuzerei ein paar Tage zuvor. Am nächsten Tag starten wir bei strömendem Regen, wir wollen nach Marstal. Ein kräftiger Südwest jagt uns vor sich her, nur mit der Genua laufen wir um 6 knts! Es hat sich eine hohe See aufgebaut. Vor dem Marstal Fahrwasser kommen die Wellen von schräg hinten, zwei Meter hoch. Sie drücken die ATZE immer wieder um 90° aus dem Kurs – aber Frauke steuert uns souverän zur Ansteuerungstonne und in den Tonnenweg!
Weiter Starkwind – nachts schlägt der Wind mit 6…7 zu – die Schiffe tanzen im nach Süden offenen Hafen. So eine unruhige Nacht habe ich noch nie erlebt!
Und dann von Marstal nach Fehmarn: Das Sahnehäubchen für Fraukes Segelwoche! Halber Wind, so 4…5, Sonne, HGS! Durch den Fehmarnsund rauschen wir mit achterlichem Wind mit über 6 knts – nur mit der Genua! Für die 46 nm waren wir neun Stunden unterwegs, also immer 5 knts! Ja, und dann kam auch schon der Abschied für die Tochter – wir hatten tolle Tage mit feinen Segeltörns.
|
|
|
Starkwind in der Dänischen Südsee
|
17. August 2008
|
Am Sonntag, dem 27. Juli schlägt Irmi auf – sie hat gut drei Wochen Urlaub. Mit ihrem Einstieg verbesserte sich die Esskultur an Bord ruckartig!
Wir hatten uns entspannte Törns vorgenommen, wollten keinesfalls gegenan poltern. Zum Start wehte es mit 4…5 aus Ost – damit war Kopenhagen gestrichen! Dafür ein toller Ritt nach Bagenkop. Nur mit der Genua liefen wir zeitweise 8 knts! Unser nächstes Ziel die kleine Insel Birkholm – da war wenig Wasser, wir liefen vor der Einfahrt auf Schiet. Bei Zartwind segelten wir nach Söby – da gibt es einen guten Bäcker. Trotzdem ging es weiter nach Faaborg – wir hatten uns dort mit Segelfreunden, nämlich Rebecca und Hans, verabredet. Wir verbrachten fröhliche gemeinsame Stunden, tranken Wein - als Sahnehäubchen verlegte Hans, er kann einfach alles, einen neuen Teppichboden in der ATZE. Von Svenborg dann wollten wir in den Store Belt, aber der Süd schrieb Ärösköbing vor. Starker Regen und schlechte Sicht setzten uns zu! Nachts Gewitter, die Boen drückten das Schiff gegen die Kaimauer, ich musste im strömenden Regen weitere Fender auslegen. Nach der unruhigen Nacht endlich ein richtiger Sommertag – Irmi war dreimal im Wasser! Weiter nach Bagenkop. Über das Flach zum Mörkedyb habe ich schlecht navigiert - eine harte Grundberührung! Dabei kam es zu einer Patenthalse. Das umschlagende Groß riß den Stopper der Großschot-Schiene in den Bach… Der Wind legte zu, die Welle wurde gröber. Das Schiff war kaum zu halten, wir mussten das Vorsegel wegnehmen. Hier dann an der Südspitze Langelands erwischte es uns: Für Tage war Starkwind angesagt! In den Masten heulte der Wind, die See schlug über die Mole. Aber irgendwann lösten wir die Leinen, mit gerefften Segeln wagten wir den Törn Richtung Fehmarn Sund. Und es lief dann recht gut – die See wurde moderater, wir verkleinerten oder vergrößerten das Vorsegel und erreichten Heiligenhafen in Rauschefahrt. Fast ohne Wind ging es dann nach Fehmarn weiter, hier stieg Irmi aus.
So ein richtig entspannter Törn für Irmi war es also nicht. Es wehte ganz selten unter 5…6 Windstärken. Wir haben uns dem Wind angepasst, haben Hafentage eingelegt – und keine fernen Ziele angesteuert. Wir haben die Zeit genossen!
|
|
|
Vorfreude auf einen schönen September |
27. August 2008
|
Dann treibt es mich einige Tage nach Delmenhorst. Der Hauptgrund war die Einweihung des Kunstrasenplatzes meines Hockey-Clubs. Aber bald geht es wieder nach Fehmarn – den September über will ich mich noch mit meiner ATZE rumtreiben! Vielleicht Dänische Südsee, vielleicht Lübecker Bucht…
Einige Widrigkeiten hat mir der Törn ja bisher beschert: So brachen mir in Marstal fremde Segler eine Relingstütze aus (Notreparatur), im Svendborg Sund riß mir die Genua ein (in DK getapt, auf Fehmarn vom Segelmacher repariert), dann riß das Großsegel ein (durch Reservesegel ersetzt), in Faaborg wurde mein Fahrrad gestohlen (wiedergefunden), die Winschenkurbel fiel in Fynshav in den Bach (abgeschrieben). Und dann gab das Handy seinen Geist auf (in Flensburg ersetzt), und vor Ärösköbing riß eine Patenthalse den Stopper der Großschot-Schiene ab. Aber ich bin immer gelassen geblieben – bis auf Faabog, als mein Fahrrad verschwunden war.
|
|
|
Endlich Lübecker Bucht |
11. September 2008
|
Leider begann der September nicht mit mildem, seglerfreundlichem Wetter – es wehte weiter meist mit 6 bft aus Süd. So blieb ich auf Fehmarn und freute mich über den Besuch von Sandra und Lars – und ihrer süßen, kleinen Finnja. Die Eltern hatten wir vor Jahren in Kopenhagen kennen gelernt, wir hatten immer Kontakt.
Aber dann musste ich einfach los – der Hafenkoller war vorprogrammiert. Gegen 4…5 und grober Welle kämpfte ich mich nach Großenbrode durch, machte dort in der Marina fest. Eine tolle Anlage, aber weit ab vom Ort. Im Büro fragte ich nach einem Bäcker. „Ganz einfach – rechts den Weg und dann am Bahndamm entlang ins Dorf!“ Nun, bis zum Bäcker waren es dann 4 km - und noch einmal 4 km zurück zum Hafen! Das für zwei Brötchen. Wenn ich jetzt jedes Brötchen einzeln geholt hätte …
Am nächsten Tag dann endlich bei SW um 4 tolles Segeln, endlich mit Genua und Groß! Einige Meilen vor der Ansteuerungstonne OFFENTIEF schlief der Wind ein, in diesem Jahr will er mich nicht verwöhnen. Der Yanmar musste ran. Wir tuckerten nach Timmendorf auf Poel. Ich bin gern in Timmendorf – wenn es nicht aus SW kachelt. Dann tanzen die Boote, im letzten Jahr war ich dabei. Aber diesmal moderater SO und radeln in kurzen Hosen. Und morgen geht’s ins geliebte Wismar!
|
|
|
Wismar satt ... |
Wismar, den 18. September 2008
|
Und dann habe ich am "Wasserwanderplatz" am Brunkowkai festgemacht, empfangen vom freundlichen Hafenmeister Gerhard Zamzow. Der Hafen hat seine 'Eigenarten' - benachbart ist der Eisenschrott-Umschlag-Kai. Da werden Schiffe gelöscht, oft bis in die Nacht - das ist laut und staubig. Aber das ist Hafenleben und man ist dicht an der Altstadt.
Mein Wismar-Programm ist für mich Kult: Friseur, Stadtführung, einen Schwedenbecher – das ist Vanilleeis mit Apfelmus – schlecken, Besuch der Ausstellung 'Nordische Backsteinkunst', Wismar-Ausstellung im Rathauskeller und als Sahnehäubchen im 'Weinberg' eine Ente nach Mecklenburger Art verputzen. Und immer wieder Fußmärsche durch die Altstadt, Freude, wenn gegenüber zum Vorjahr wieder ein Haus oder Speicher saniert ist.
Abends klingelt das Handy – Harald, vermutlich aus Warnemünde. Ich: "Wo steckt Ihr?" Harald: "Guck mal aus dem Luk, Atze!" Es gab dann Rotwein in dosierten Mengen.
Mit Fischer radelte ich ins Dorf Mecklenburg, wollte Überreste der alten Burganlage sehen. Eine ältere Dame: "Junger Mann (Hat sie wirklich gesagt!), da kommen sie etwas zu spät. Da ist seit über 100 Jahren der Friedhof!"
|
|
|
Tschüß Wismar! |
Neustadt in Hol. am 25. September
|
Als letzte Kulthandlung ging ich in das Brauhaus "Zum Lohberg" um eine Mumme zu trinken. Nur hier wird noch Wismarer Bier, eben diese Mumme, gebraut – im Mittelalter gab es in der Stadt 184 Brauereien! Dem Bier verdankt die Hansestadt ihren einstigen Reichtum – drei gewaltige Kirchen zeugen davon.
Nun wollte ich nach Timmendorf, hatte mich dort mit der JULI-Crew verabredet. Es wehte aus Nord – also aufkreuzen, Schlag um Schlag. Vor Wendorf blieb die ATZE plötzlich stehen, wiegte sich in den Wellen – aber machte keine Fahrt. Langsam begriff ich: Aufgelaufen! Und ich bekam die ATZE nicht frei! Die MISTRAL-Crew aus Grömitz sah mein Problem, wir stellten eine Leinenverbindung her. Beide Maschinen 'Volle Kraft' - nix! Ein Motorboot bot sich an, der hatte 70 PS - aber nicht einmal eine richtige Klampe … Beim 2. Versuch mit den Seglern klappte es dann, danke an die Segelfreunde!
In Timmendorf dann fröhliche Stunden mit Ursel und Claus. Und ein Schmunzeln über die exakt kalkulierte Hafengebühr: 10,71 €. Mit dem NO segelte ich einen schönen Törn nach Neustadt – da, wo "Küstenwache" herkommt. Hier im tollen Hafen des NSV tauchte ein Team dieser Vorabend-Serie auf, sie suchten zwei Folkeboote für einen Dreh. Dabei war der Maschinist aus der Serie – wir winkten uns cool zu – eben Profis.
|
|
|
Travemünde, Grömitz |
Grömitz, den 27. September
|
|
Der Nord hält mich in der Lübecker Bucht fest. Ich segle nach Travemünde in den Passat-Hafen, einen Hafen mit Flair. Da liegt die legendäre Viermast-Bark mit ihren gewaltigen Masten, da laufen riesige Fährschiffe ein und aus. Es gibt immer etwas zu sehen! Widersprüchlich der Seglerhafen: Da gibt es im Sanitärbereich einen Raum mit 14 (vierzehn) Urinals, aber für die Gastlieger nur alle 87 m eine Steckdose.
Vor der ATZE macht Freund Claus mit seiner JU-LY fest. Er kam mit dem Nord aus Fehmarn. Und der Wetterbericht behält recht: Am nächsten Tag geht der Wind auf West. Ju-Li und ATZE wollen nach Grömitz – aber dichter Nebel liegt über der Trave. Erst gegen 11 Uhr wird die Sicht besser, können wir ablegen. Mit Dünnwind reißen wir die 12 Meilen ab. Grömitz ist nicht so mein Fall: Auf der Promenade ein Lokal, ein Bistro neben dem anderen, überall schicke Leute – und ich nicht mal besonders gut rasiert…
|
|
|
Rolling Home! |
Burg Staaken, am 1. Oktober
|
Für den nächsten Tag ist West 4…5 angesagt – das paßt für Fehmarn! Claus will nach Großenbrode - ich nach Burg Staaken, ins Winterlager. Aber um 10 Uhr noch dichter Nebel über der Marina Grömitz! Da höre ich vom Nachbarschiff: “Die Sonne kommt!“ Unfaßbar, nach 10 Minuten herrscht klare Sicht und Sonnenschein! Leinen los! Der WNW um 4 kommt vorlicher als halb, traumhaftes Segeln! Durch die Landabdeckung nur eine moderate Welle. Dann bei Dameshöved muß ich anluven, muß etwa 15° laufen. Ich kann mein Ziel, die Hochhäuser auf Fehmarn, gut ausmachen! Der Wind kommt jetzt spitzer und legt zu. Die ATZE stürmt mit 6…7 knts dahin, einfach traumhaft!
In Burg Staaken angebunden der Gedanke: Vielleicht kommen doch noch so ein paar traumhafte Segeltage, vielleicht doch noch mit dem Kranen warten? Aber dann höre ich den Wetterbericht: Sturm und weiter sinkende Temperaturen für die nächsten Tage, und im Supermarkt finde ich Christstollen im Angebot – da habe ich mit dem Hafenmeister den Krantermin gemacht!
Ein Rückblick: Es war ein für Segler unfreundlicher Sommer! Fast ständig Starkwind – 5…6, in Böen 7 bft war die Regel! Nicht selten: “Sturm- und Starkwindgefahr für alle Vorhersage-Gebiete!“ So gab es viele Hafentage, kaum Ankernächte und nur lumpige 629 nm auf der Logge. Freuderaubend war die Kühle, fast Kälte in den letzten Wochen. 126 Tage war die ATZE unterwegs, mit 1107,54 € habe ich die Hafenbetreiber unterstützt und etwa 15 Liter Diesel verbraucht.
Wie immer war dann zum Schluß diese “Herbsttraurigkeit“ da – die letzten Meilen, der letzte Abend, das letzte Frühstück an Bord… aber auch Erleichterung, als die ATZE am Haken hing.
Nein, ein Traumsommer war es nicht - aber genossen habe ich die Zeit doch!!!
|
|