Meine homepage Juni 2011
Diese homepage soll während meines Segeltörns eine Art Logbuch für meine Freunde sein. Über Besuche in Internet Cafes oder über WLAN und Laptop möchte ich das Logbuch aktuell gestalten. Zu erreichen bin ich über meine mail-Adresse atzeyacht@web.de

Die Bilder kann man durch Anklicken vergrößern!
Atzeyacht
Endlich ... 9. Juni 2011
Da sitze ich in der Plicht und trinke einen Cherry, Sandeman Medium Dry. Ich halte die Hand über's Glas, es nieselt etwas. Ich habe nur ein Shirt an, spüre den Regen nicht – bin nur zufrieden. Die ATZE schwimmt!!!
Und ich denke über die letzten Wochen nach. Vor acht Monaten hatte ich der Firma Yachttechnik Fehmarn den Auftrag zum Anbau eines neuen Propellers erteilt. Die Maßnahme war nötig geworden, weil der neue, im Herbst eingebaute Motor eine andere Drehrichtung hat. Und sie sollten den Motor neu ausrichten. Bei persönlichen Besuchen und bei Telefonaten wurde ich vertröstet. "Morgen gehen wir ran, es fehlt noch ein Teil ...!" Am 3. Juni war dann endlich alles fertig!
Und heute, am 9. Juni, wird gekrant. Das klappt prima. Der Yanmar springt sofort an – aber spuckte kein Kühlwasser aus! Segelkamerad Hartmut hat gute Vorschläge. Aber der letzte ist der beste: Er holt Freund Uli dazu – und der entdeckt die Luftblase im Ansaugschlauch… Wie jedes Jahr mache ich einen Probeschlag bis zur ehemaligen DGzRS-Station und bin vom neuen Mitarbeiter im Maschinenraum begeistert!!!
atzeyacht
Kurs Heiligenhafen 16. Juni 2011
Ganz ohne Hast treffe ich meine Törnvorbereitungen: Schiff vom Winterlagerstaub befreien, alles vom Auto ins Schiff räumen, Segel anschlagen, Einkaufen bei ALDI und SKY, Diesel bunkern… Und viel radeln, die Rundtour über Orth waren gut 40 km! Hatte ich mir doch für 35 € ein flottes Fahrrad gekauft!

Am Dienstag lege ich ab, es weht aus West mit 4, zeitweise auch etwas stärker. Nur mit der Genua segele ich bis zur Ansteuerungs-Tonne FEHMARNSUND, dann unter Maschine gegen Wind und grober Welle durch das Sundfahrwasser. Ein willkommener Test – und der Yanmar schnurrt, bringt mich in den Vereinshafen!

Dann einen Anlege-Sherry und ein Ausstrecken auf der Steuerbord-Koje. Zufrieden sehe ich durch den offenen Niedergang in den blauen Himmel. Da fliegt ein großer, dunkler Vogel, wohl keine Möwe, von hinten über das Schiff – und entleert sich!!! Plicht, Niedergangstufen, Teppich ...
atzeyacht
Bagenkop ruft! 29. Juni 2011
Dann eine Woche Landurlaub in Delmenhorst - großes Hockeyturnier meines Clubs, Familientreffen. Wieder an Bord den Seewetterbericht abhören. Für Dienstag, den 28. ist O-SO 4-5 vorhergesagt – eine Option für Bagenkop! Um 9 Uhr binde ich ab, rolle gleich vor dem Hafen die Genua aus, die ATZE stürmt los! Sundbrücke, LT Flügge querab, dann 330° Kurs Langeland. Eine grobe Welle, immer wieder „Karwenzmänner“ von 2m, lässt die ATZE taumeln. Die Logge zeigt zeitweise über 7 knts an! Mühsames Steuern! 13 Uhr, noch 13,5 nm bis zur Ansteuerungstonne, vage Umrisse von Langeland. Gegen 15.25 Uhr rolle ich nahe der Hafeneinfahrt die Genua ein, tuckere an der Mole vorbei. Schwieriges Anlegen bei dem seitlichen Starkwind – aber Segelfreunde helfen! Fazit: 40 nm, das sind so 70 km, in knapp sechs Stunden, mit zwei Schnapsglas Diesel - eins beim Ablegen, eins beim Anlegen – nur mit dem Vorsegel und einem Rentner an der Pinne ... atzeyacht
Weiter nach Aerö! 8. Juli 2011
Bagenkop – der Havnevoged freut sich über unser Wiedersehen und schenkt mir das Hafengeld für den ersten Tag, danke! Der Wind legt zu, hält mich etliche Tage im Hafen fest. Wenn es das Wetter zulässt, bin ich auf einem hafeneigenen Fahrrad (Marke Bugatti) unterwegs. Schon Kult die Tour durch das Tryggelev Nor nach Ristinge, weiter nach Humble, hier eine Pause im Eiscafe, und durch das Nörreballe Nor zurück zur ATZE. Das sind gut 40 km. Und dann liegt die SIIKA mit Simone und Oliver neben der ATZE! Wir haben uns vor Jahren in Nysted kennen gelernt, hatten beim Femö Jazzvesitval gemeinsamen Spaß, über Jahre Internet-Kontakte gepflegt. Und wieder verleben wir fröhliche Stunden. Und kurz nach dem Abbinden der SIIKA macht die LÜTTEN 2 von Horst aus Delmenhorst auf dem Platz fest! Auf dem Schiff eine kompetente Besatzung – Dietmar und Werner sind als Stammbesatzung auf der GORCH FOCK gefahren! Die Lütten 2 läuft am nächsten Morgen gen Osten, die ATZE gen Marstal. atzeyacht
... und in die Flensburger Förde 13. Juli 2011
Marstal, die Seefahrerstadt mit viel Tradition. Die hier gebauten Marstalschooner befuhren einst die Weltmeere. In Erinnerung gerufen wurde die Geschichte der Stadt durch den 2006 erschienen Roman “Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen – höchst lesenswert! Mit der Kamera bin ich auf Spurensuche nach den im Roman erwähnten Orten - und bei herrlichem Wetter mache ich eine lange Strandwanderung bis zur Fahrrinne. Dann weiter über Höruphav auf Alsen nach Flensburg – hier wollen Tochter Frauke und Enkeltöchter Finja und Leonie einsteigen. Die Wettervorhersage: Regen und Starkwind für die nächsten Tage - an segeln nicht zu denken! Wir sagen das Familiensegeln schweren Herzens ab. Ja, der Wind – während wir im Hafen von Marstal liegen, schaukeln die Schiffe, auf dem Törn nach Hörup dann nur Dünnwind, viele Motormeilen. Beim Start in Hörup SO-Wind – praktisch gegenan! Also lange Kreuzschläge und wieder Motormeilen. Es fehlt einfach die ... atzeyacht
Zum Boxenstop nach Fehmarn 26. Juli 2011
Im Stadthafen Flensburg hatte ich keinen Liegeplatz gefunden – das ist mir in meinem Seglerleben noch nie passiert! Ich mußte in der Marina SOLWIK ausweichen - ein riesiger Bootsparkplatz. Viele große Schiffe und kaum Leute. Zum Supermarkt ist es unendlich weit – aber das Wetter hält mich fest.

Flensburg – hier habe ich vor über 50 Jahren die Funkerschule besucht und Hockey gespielt – und treffe mich mit Harro. Er war damals unser starker Linksaußen. Und ich treffe mich mit Hannelore und Dieter Groteloh – mit Dieter habe ich vor Jahren, ich hatte eine Blutvergiftung, im Flensburger Krankenhaus gelegen.

Doch ich will nach Fehmarn, da wird Irmi einsteigen. Mit Wind von vorn und grober Welle kämpfe ich mich nach Höruphav durch. Auch hier immer wieder Regen. Mache für 19 Dkr (so 2,50 €) eine lange Busfahrt über Südalsen und Kegnäs. Und in der “Danske Glaskunst“ erwerbe ich, wie schon oft bei meinen Besuchen, ein gläsernes Erinnerungsstück, diesmal ein Vögelein, für mein Fenster. Weiter nach Bagenkop! Die angekündigte Drehung des S auf SW bleibt aus, es wird ein SO – ich muß einen langen Kreuzschlag machen, sitze neun Stunden an der Pinne! Ein herrlicher Hafentag mit viel Sonne und Shorts belohnt mich in Bagenkop. Aber dann soll es nach Fehmarn gehen! Nord 4…5, zunehmend 6 ist angesagt. Die Richtung stimmt, aber… Es ist die grobe Welle, die der ATZE und mir zu schaffen macht. Sie dreht uns immer wieder um 90°, bringt die Genua zum Schlagen. Wir kämpfen! Um 15.05 Uhr binde ich in Burg Staaken an, ziemlich platt.
atzeyacht
Es soll weitergehen! 6. August 2011
Und zu Regen- und Sturmtagen in Burg Staaken, einmal hat es 38 Stunden ohne Unterbrechung geregnet, dann die schlimme Meldung aus Bayern: Irmi kann nicht zum Segeln kommen – der Rücken! Nach den Mädchen aus Mainz nun wieder eine Absage. Doch es soll weitergehen, ich will in die Lübecker Bucht! Aber der angekündigte NW wird ein S, verhindert meine Absicht! Den trostlosen Hafen von Burg Staaken habe ich echt satt, so laufe ich nach Heiligenhafen. Dort bummeln ich mit Rebecca und Hans, den Kieler Segelfreunden, abends über den Rummel, der hier Hafenfest heißt. Dann trennen sich unsere Wege – die KUDDELDADDELDU segelt nach Kiel, die ATZE in Rauschefahrt nach Bagenkop. 4…5 bft und halber Wind, das ist HGS (Hochgenussegeln) um 7 knts! In Holyhabour noch ein trauriger Abschied: Meine Bord-, Wander- und Radelschuh wurden nach vielen Jahren ausgemustert – ich habe sie getreten und geliebt! atzeyacht
Dänische Südsee 19. August 2011
In Bagenkop hänge ich erstmal einige Tage fest – Starkwind und Regen! Dann bei Dünnwind, streckenweise muß der Motor ran, nach Ärösköbing – dort ein Tag bei Sonnenschein mit der Kamera unterwegs, die märchenhafte Stadt genießen. Es folgen Regen- und Sturmtage! Einen Törn nach Faaborg breche ich nach 2 Meilen ab – keine Sicht! Am Tag darauf schaffe ich Faaborg. Auch hier wieder Regen und die Flucht nach Fynshav auf Alsen. Weiter auf die für die Landschaft typische und so reizvolle Insel Lyö, die Lichtinsel. Dann der Törn zur Insel Dreyö – HGS bei strömenden Regen. Auch hier fordert der Hafenmeister 120 Dkr Liegegeld, das sind 16 €! Mir langt's! Ich gehe auf dem schnellsten Weg nach Old Germany! Das Wetter, es ist auch empfindlich kalt, wird dort nicht besser sein – aber ich werde das schlechte Wetter kostengünstiger haben! atzeyacht
Ab nach Old Germany! 4. September 2011
… und hänge erstmal in Bagenkop fest – Starkwind. Dann am 21. August müsste es gehen. S auf W drehend liest die Küstenfunkstelle vor. Als ich aus dem Hafen auslaufe, weht es aus OSO – genau aus Fehmarn! Aber er soll ja auf W drehen! Doch er dreht nicht, bleibt den ganzen Tag auf SO! Mit einem langen Schlag und Motorunterstützung kämpfe ich mich nach Heiligenhafen durch, aus den 30 Seemeilen werden 40, und verfluche die Vorhersage!
In Heiligenhafen, unter Seglern Holyhabour genannt, und Burgstaaken hänge ich 10 Tage fest - Starkwind, Regen, Starkwind! Am 1. September ist W um 4 angesagt – Start. Und es wird ein toller Törn! Die Tonne OFFENERTIEF, den Eingang in die Wismarbucht, treffen wir, ATZE und ich, "auf den Kopp"! Wir machen für eine Nacht in Timmendorf auf Poel fest. Hier müssen Hafenlieger für die Toilettenbenutzung 50 Cent bezahlen – das habe ich noch nie erlebt. Aber nicht deshalb am nächsten Tag weiter nach Wismar, bei Nullwind unter Motor.
atzeyacht
Wismar 15. September 2011
Aber dann kam der Wind und hielt mich in der von mir geliebten Hansestadt acht Tage fest! Ich habe die Zeit genutzt, habe alle drei Kathedralen besucht, an einer Stadtführung teilgenommen, das Technikmuseum durchlaufen, die Fotoausstellung im Baumhaus und die große Stadtausstellung im Rathaukeller genossen. Kulinarisch und schon Kult im historischem Lokal “Zum Weinberg“ eine Ente nach mecklenburgischer Art gespeist, im “Brauhaus am Lohberg“ eine Mumme, das historische Wismarer Bier, getrunken, in der “Schwedenschänke“ zwei Schwedenbecher, Vanilleeis mit Apfelmuss, geschlemmt. Und fast täglich Plaudereien mit dem Hafenmeister, Kapitän Zamzow. Er hat mir auch verraten, wie man sich ganz einfach den Code für den Sanitärbereich (9620) merkt: neunmalsexmiteinerzwanzigjährigen. atzeyacht
Das Finale 20. September 2011
Am 10. September binde ich in Wismar ab und segele bei dünnem Wind nach Kirchdorf auf Poel. In den nächsten Tagen legt der Wind aus SW kräftig zu – da ist Kirchdorf wie eine Mausefalle, ich könnte nur zurück nach Wismar. Aber ich bleibe, radele, wandere, besuche das Museum. Hier interessiert mich besonders die Dokumentation über die Katastrophe der Cap Arcona. Am 3. Mai 1945 sind damals in der Neustädter Bucht 8000 KZ-Häftlinge auf dem KdF-Schiff Cap Arcona und weiteren Schiffen durch alliierte Luftangriffe ums Leben gekommen. Am 5. Mai war der Krieg beendet…

Nach sechs Tagen kann ich in Kirchdorf endlich abbinden. Bei herrlichem Sonnenschein geht es nach Timmendorf an der Westseite von Poel. Angekommen bei sonnigem Wetter plane ich, in den nächsten Tagen über Grömitz und Großenbrode nach Fehmarn zu bummeln. Aber am nächsten Morgen gießt es beim Brötchenholen, und es ist richtig kalt – nix bummeln, ab nach Fehmarn zum Kranen!

Es war wirklich kein toller Segelsommer. Aber so ab den 2./3. Oktober werde ich denken und sagen: "Schön war es doch!"
atzeyacht